Science-Fiction-Filmklassiker neu vorgestellt 2: Christopher Nolans „Inception“.

Im zweiten Teil der Reihe Science-Fiction-Klassiker neu vorgestellt steht nun ein neuerer Film im Zentrum der Betrachtungen: Christopher Nolans Inception. Das aus dem Jahre 2010 stammende Werk ist noch immer hoch aktuell und wird in Internetforen noch immer heiss diskutiert. Der Erfolg des Films lässt sich auch in Zahlen messen: Insgesamt spielte er bei einem geschätzten Budget von 160 Millionen über 825 Millionen US-Dollar ein. Zudem gewann er vier Oscars. Diese Daten sagen schon viel über Inception aus, allerdings vermögen sie nicht die philosophische Tiefe darzustellen, die den Film vor allem anderen auszeichnet, werden in ihm doch Fragen gestellt, die von allgemeiner Gültigkeit sind. Es sind dies Fragen, die ins Herz der menschlichen Existenz treffen.

 

Bevor allerdings auf diese Fragen eingegangen werden kann ist es notwendig, kurz auf die Storyline zu sprechen zu kommen und einen Einblick in das Geschehen zu geben. Eine der Stärken des Films ist, dass er sich nicht einem einzelnen Genre zuordnen lässt. So können die oberflächlichen Ereignisse den Film durchaus als Actionstreifen kennzeichnen. Im Spannungsaufbau dagegen gleicht Inception mehr einem Thriller. Und in dem Streben des Protagonisten nach Erlösung lassen sich wiederum Elemente des Dramas festmachen. Dabei gelingt es Nolan, alle diese Charakterzüge zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinen und eine logisch zusammenhängende Geschichte zu kreieren. Diese Geschichte ist in einer nicht allzu fernen Zukunft angesiedelt, die unserer Gegenwart in vielem gleicht. Allerdings erhebt Nolan die multinationalen Konzerne in konsequenter Ausführung der heutigen Tendenzen zu den mächtigsten Akteuren des politischen und gesellschaftlichen Lebens. Das ist insofern von Belang als der Protagonist Dom Cobb (Leonardo di Caprio) sich als Wirtschaftsspion verdingt. Allerdings unterscheidet sich sein Branchensegment fundamental von dem heutigen: An der Stelle von Safes, die geöffnet werden müssen, ist nun der menschliche Geist das Zielobjekt. Mit technologischen Neuerungen und speziellen Chemikalien ist es Cobb möglich in die Träume seiner Opfer einzudringen und die geheimsten Geheimnisse zu extrahieren. Das ist die Ausgangslage des Films. Nun aber tritt ein Geschäftsmann namens Saito (Ken Watanabe) an Cobb heran, um ihn mit einer völlig neuen Aufgabe zu konfrontieren. Saito verlangt von Cobb nämlich eine – titelgebende – Inception, will heissen die Einpflanzung einer Idee in einen menschlichen Geist. Er soll den Erben Robert Fischer (Cillian Murphy) einer kurz vor dem weltweiten Energiemonopol stehenden Firma davon überzeugen, das von dessen Vater aufgebaute Imperium aufzulösen. Da man aber nie weiss, wie sich eine solche Idee nach der Inception entwickelt, scheint das Unterfangen schier unmöglich zu sein. Als Saito aber verspricht, die Anklagen gegen den in den USA gesuchten Cobb verschwinden zu lassen, sodass dieser nach Hause zu seinen Kindern gehen kann, willigt der geniale Dieb ein und stellt ein Team zusammen, das ihm dabei helfen soll, in den Geist der Zielperson einzudringen. Mit von der Partie sind unter anderem Cobbs engster Vertrauter Arthur (Joseph Gordon-Levitt), der Fälscher Eames (Tom Hardy) und die Architektin Ariadne (Ellen Page). Um die richtige und vor allem ausschlaggebende Entwicklung der eingepflanzten Idee zu gewährleisten, reicht es aber nicht in eine erste Traumebene Fischer einzudringen, nein, es sind schon ein Traum im Traum, sowie ein Traum im Traum im Traum nötig, um eine nachhaltige Wirkung der Idee hervorzurufen. Allerdings ist dies mit gewaltigen Hindernissen verbunden. Allen voran ist hier Cobbs verstorbene Ehefrau (Marion Cottilard) zu nennen, die sich immer wieder in die Gedankengänge und Traumkonstruktionen des Witwers einschleicht und so die ganze Mission gefährden. So wird die Reise ins Innere von Robert Fischer auch eine Reise in die durch Schuldgefühle geprägten Abgründe Dom Cobbs. Diese Abgründe und Zweifel bringt Leonardo di Caprio in einer brillanten Schauspielleistung auf die Leinwand. Kongenial zu dieser Leistung ist aber auch der schon angesprochene philosophische Gehalt des Films. Immer wieder und immer stärker wird die Frage nach der Realität aufgeworfen. Darauf gibt selbst der Schluss von Inception keine Antwort, im Gegenteil, das offene Ende schürt die Spekulationen und die Zweifel in Bezug auf die Realität sogar noch. Es ist Christopher Nolan hochanzurechnen, dass er sich zu diesem mutigen Ende entschlossen hat.

 

Obwohl die Ausgangslage des Films denkbar kompliziert ist und obwohl es nicht immer einfach ist, der Geschichte durch die verschiedenen Ebenen zu folgen, lohnt es sich, diesem Meisterwerk 2 Stunden und 28 Minuten zu widmen, auch wenn man hinterher mehr Fragen als Antworten erhalten hat. Gerade das Thema Realität und Phantasie hat in der heutigen Welt mit ihrem Trend hin zu Virtual Reality eine kaum zu übertreffende Brisanz. Neben diesem Bezug auf die heutige Zeit und ihre Auswüchse bietet Inception natürlich aber auch einfach grosses Kino mit verblüffenden Spezialeffekten und hochkarätig besetzten Rollen. Der Film ist, ganz einfach gesagt, ein Gesamtkunstwerk, das bereits jetzt zu den Klassikern des Science-Fiction gezählt werden kann, ja muss.